Friday, August 30, 2019

Tag 9: 18. August 2019: Elchtreffen in Småland

Tag 9: 18. August 2019: 

Elchtreffen in Småland


Zunächst einmal habe ich dem gestrigen Tag noch etwas hinzuzufügen. Wir wanderten gerade durch den sumpfig-urwaldigen Teil des Stenshuvud Parkes und Luzia ging wie ich so richtig das Herz auf angesichts des schönen Fleckchens Erde. Da sagte diese meine Tochter doch auf einmal: Mama, die Natur ist schöner als das schönste Kleid der Welt!"
Ein Besuch in der "Astrid Lindgren Värld" in Vimmerby, Småland, war von Anfang an geplant. Heute Morgen brachen wir daher die Zelte in Simrishamn ab und verbrachten einen bedeckt-regnerischen Tag auf der Straße. Morgen sollte wieder die Sonne scheinen.
Unterwegs guckte ich rechts und links unserer  angedachten Strecke nach einem kleineren Highlight, damit wir auch an diesem Reisetag für 1, 2 Stunden aus den Autositzen zu kommen. 
Der „Glasrikets Elchpark" in Nybro bot sich da wunderbar an. 
Einen Elch in freier Wildbahn zu Gesicht zu bekommen gehört zu den ganz, ganz seltenen Glücksmomenten in Schweden. Die entsprechenden Warnschilder gibt es zwar immer mal wieder, sofern sie nicht von deutschen Touristen abmontiert werden, aber die Tiere hören sehr gut und sind extrem scheu.
Es handelte sich um einen netten, kleinen Park mit ca. 12 Elchen, die sich in einem großzügigen, bewaldeten Gehege herumtreiben, aber jederzeit auch in einen offenen Stall kommen konnten. Spätestens hier kam man ihnen ganz nahe, sollten sie sich auf der Fahrt durch den Park widerspenstig zeigen. Der Eingang führte durch einen hübschen Andenkenladen mit gar nicht mal so kitschigen Souvenirs, hier wurden uns in perfektem Deutsch die Tickets verkauft. An einer der Außenwände des Stalles zeigte eine Tafel Fotos und Beschreibungen aller Elche. Auch ein Ferdinand war darunter. Würden wir auch ihn zu sehen bekommen? Laut Beschreibung hatten wir ihn mitgebracht. Ein freundlicher Kerl, immer hungrig… ;)


Der freundliche, immer hungrige und an Blumen schnuppernde Elch Ferdinand

Ein Traktor mit mehreren Anhängern stand bereit und die Passagiere dieser letzten Tour des Tages (mal wieder Schwein gehabt!) kletterten hinein. Jedem von uns wurden vom „Chef“ Elch Leckerlis in Form von Birkenzweigen ausgehändigt und los ging die ruckelige Fahrt.

Vorfreude

Vorfreude?

Die Einfahrt hatte was von Jurassic Park. Die Fahrspur war gesäumt von Maschendrahtzäunen und wir näherten uns einem großen Tor, das von einem alten, krummbeinigen Mann geöffnet und hinter uns wieder geschlossen wurde. 
Wie im Drehbuch hieß es nun Ausschau halten. Hälse recken. Aufstehen. Wieder hinsetzen. Auf der anderen Wagenseite gucken. Mit dem Birkenlaub rascheln.
Ha, da, eine erste Sichtung: Elch, malerisch zwischen Felsen am Teich liegend. Das war dann übrigens schon Ferdinand, wussten wir aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Der Elch blieb liegen, wir ruckelten weiter. Kurz darauf kam ein großer Elch durchs Unterholz.
So à la "endlich kommt der 16h Traktor!"



Wir wedelten begeistert mit Birkenzweigen. Gemächlich futterte er sich von hinten nach vorne durch.



Ein riesiges Tier ist so ein ausgewachsener Elch! Ewig lange Beine, ein recht massiger Körper, großer Kopf. Ein weiteres Männchen tauchte auf und auch eine Elchkuh, die sich dem vorderen Wagen  zugesellte.
„Ich glaub mich knutscht ein Elch“ trifft die Begegnungen dort sehr gut.




Der Traktor blieb eine ganze Weile lang stehen, so dass jeder ausreichend Zeit hatte zum füttern, streicheln, gucken und fotografieren.



Ein Stückchen weiter hielten wir erneut und ein paar Mädels bekamen noch eine Ration Zweige auf die bodennahen Zweige einer Fichte gelegt, von dem sie sie in bequemer Höhe quasi pflücken könnten.
Ja, und dann war Ferdinand dran. Der lag unverändert im Gras am See und schaute (oder schnupperte an den Blumen, was er laut Steckbrief wie sein Stier-Namensvetter gerne macht).
Wir hörten, dass der Ferdinand immer eine Extraportion Futter bekommt, da er sonst nicht so richtig zu Kräften kommt. Einen schönen Haufen Birkenzweige bekam er direkt vor die Nase gelegt und noch eine Portion Streicheleinheiten. Dann speiste er genüsslich, nach wie vor liegend. Wer ko der ko.



Nach Vimmerby war es nun nicht mehr allzu weit. Es regnete recht heftig inzwischen, wir hatten Glück gehabt mit unserer Pause.
Bei diesem Besuch in Vimmerby blieben wir direkt auf dem Campingplatz, der zum Astrid Lindgren Park gehört. Es gibt ja dort neben dem Campingplatz ein Hotel, das in Form einer kleinen schwedischen Ortschaft aufgebaut ist. Kein Häuschen gleicht dem anderen. Zwischen den Häusern gibt es Spielplätze, in den Gärten stehen Schuppen, die sich bei näherem Hinsehen als ebenso schön ausgestattete Hotelzimmer entpuppen wie die "Häuser". Ebenso verhält es sich mit den "Garagen".
Hotelzimmerdörfchen 1

Hotelzimmerdörfchen 2

Als dritte Option kann auch ein kleines Hüttchen gemietet werden.
Heute Abend sahen wir allerdings nur mehr zu, dass alle satt ins Bett kamen. Es war vom Regen noch alles klitschnass und daher umso gemütlicher im Bett.


Sunday, August 25, 2019

Tag 8: 17. August 2019: Stenshuvud Nationalpark

Tag 8: 17. August 2019


Stenshuvud Nationalpark


Zur Auswahl an diesem schönen Spätsommertag standen: 
a) Wandern im Stenshuvud-Nationalpark
b) kein b, weil b ja schon gestern war

Mein erstes Highlight des Tages war ein kleines, blondes, schwedisches Mädchen im Duschbereich der Damen. Zunächst sah ich sie nicht, da sie mit ihrer Mama noch in der Kabine war. Aber ich hörte sie. Ich hörte sie singen. Ich hörte sie das Pippi Långstrumpf Lied singen. Genau genommen das: „Här kommer Pippi Långstrump, tjolahopp, tjolahej, tjolahppsan sa. Här kommer Pippi Langstrump, ja här kommer faktisk jag.“
Mit einer zauberhaften Kleinmädchenstimme.
Und dann kam sie aus der Dusche und war in ein Pippi-Handtuch gewickelt. Und lächelte mich an, nach wie vor singend. 
Ich kratzte ein paar schwedische Worte zusammen und bedankte mich bei ihr für das schöne Lied. Und ging mit einem Lächeln zurück zum Wohnwagen.

Bis wir zum heutigen Ausflug aufbrachen hatten wir noch zwei Gelegenheiten, unsere guten Taten für heute zu erledigen. Mehrere Gruppen Teenager bewegten sich mehr oder weniger zielgerichtet über den Platz. Eine Truppe hielt mich auf und erklärte, dass sie für einen Wettbewerb mehrere Aufgaben zu erledigen hätten, eine davon sei ein Selfie mit einer Rothaarigen. Schwupps, schon wurde ich „geselfied“, auch nach meinem Geständnis, die Farbe sei mittlerweile nicht mehr so ganz natürlich („nobody will notice“).
Kurz darauf, wir hockten gerade drinnen und futterten, kam eine weitere Truppe mit dem gleichen Spruch, diesmal allerdings mit der Bitte um eine Tasse Kaffee. Wir vertrösteten sie 15 Minuten, dann konnten sie sich ihren Becher abholen und er wurde tatsächlich gespült etwas später wieder zurück gebracht.

Der eigentliche Plan heute hieß jedoch: Wandern im Stenshuvud Nationalpark, an dem wir ja gestern bereits mit dem Fahrrad vorbei gefahren waren
Stenshuvud bedeutet „Steinernes Haupt“ und bezieht sich auf den fast 100m hohen Berg, der schon ewig einen Orientierungspunkt für Seefahrer darstellt.
Zunächst besuchten wir das Informationszentrum mit einer anschaulich und interaktiv gestalteten Ausstellung zu den Tieren und Pflanzen des Parkes.

Besucherzentrum

10-fach vergößerte Modelle der eher kleineren, leicht zu übersehenden Tierwelt werden hier gezeigt, Vogel- und Froschstimmen können abgespielt werden, Tierfährten erraten und ein Film über die Unterwasserwelt des hiesigen Strandabschnittes angesehen werden. Alleine die zig verschiedenen Hummelarten, die hier leben, füllen ein ganzes Plakat.

Riesenschnecke

Wanderwege führen zu ganz unterschiedlichen Landschaften im Park. Es gibt Bereiche, in denen seltene Orchideen gedeihen, sumpfige Waldgebiete, den Pfad auf den „Stenshuvud“ mit einer schönen Aussicht und noch einige mehr.
Ein paar Sekunden bevor die Hummel den Marienkäfer von der Blüte fegt

Wir wanderten zunächst auf den Berg, durch einen mit Flechten bewachsenen Buchenwald, kühlten uns auf 100m über dem Meeresspiegel im Wind ein wenig ab und genossen den Blick.

Fisch und Sanduhr als Wegmarken. Prangen jetzt zu Hunderten im Park.

Auf dem Gipfel

Hinunter wählten wir einen Weg vorbei an unzähligen moosbewachsenen, kugeligen Felsen. Der Vergleich mit der Szene aus „Die Eiskönigin“, in der Christoph seine „Familie“, die Trolle, besucht, drängte sich geradezu auf.
Versteinerte Trolle?
Ich wartete förmlich darauf, dass die grünbewachsenen Steine zu wackeln begannen und sich verwandelten. 
Weiter ging es über hölzerne Stege durch einen sumpfigen Abschnitt. Luzi und ich hielten praktisch an jedem Käfer, Frosch oder auch an Schnecken, denen eine solche Aufmerksamkeit zu Hause niemals zu Teil werden würde.
Sonst Störenfried im Garten, heute mal im Rampenlicht

Die Jungs fingen an sich mit Versuchen uns zu erschrecken die Zeit zu vertreiben. Dies gelang zunächst. Einmal linkte uns Ferdi ohne mit der Wimper zu zucken: „Der Papa ist schon vorgegangen“. Und dann sprang Markus plötzlich hinter einem Baum hervor.
Wir Mädels wurden vorsichtiger und durchschauten den nächsten Plan. Da kam ein zu schöner, ausreichend großer Felsen in Sicht! Wir schlichen uns an und umrundeten das Versteck von der anderen Seite. Mit einem lauten „Buhuuu“ sprang Luzi den Jungs quasi in den Rücken, was Markus vor Schreck zum Umfallen brachte. Yeah! 



Zum Schluss besuchten wir noch den Strand, an dem nicht nur wunderbar feiner Sand zu finden war sondern auch Kiesel in allen möglichen Größen, wie geschaffen um damit zu bauen.

Luzi und Ferdi waren in ihrem Element, bauten zunächst an jeweils eigenen Projekten, taten sich aber schließlich zusammen und bastelten an einem gemeinsamen Werk, einer Feuerstelle-mit-Steinturm-und-Sonnenstrahlen.




Tja, und da war wieder ein Tag vorbei, wieder schöne Momente gesammelt, gespielt, gelaufen, gehüpft und gelacht.
Und gezauberwürfelt. Das neue Familienhobby. Seitdem Olivia, die älteste Tochter unserer schwedischen Freunde, bei deren Besuch bei uns vor ein paar Wochen den Würfel mal eben so löste, haben unsere Kinder angebissen. Na gut, ich auch. Vor allem Ferdi stellt sich unheimlich geschickt an damit. Ich versuche angestrengt, einen Vorsprung zu halten, um ihm die Kombinationen beibringen zu können, da er ja noch nicht lesen kann. Luzi hält ebenfalls gut mit und Markus arbeitet daran, die zwei Minuten, die er angeblich „damals“ benötigte, wieder zu reproduzieren.

Zauberwürfel bezwingen

Tag 7: 16. August 2019: Sonne, Strampeln, schwedische Spießer

Tag 7: 16. August 2019


- mit Verspätung, da heute (24. August) die Hitze, der laut nach mir rufende Strand, die tiefblaue Nordsee und ein Minigolfmatch meine volle Aufmerksamkeit bzw. Kraft forderte -

Sonne, Strampeln, schwedische Spießer


Zur Auswahl an diesem schönen Spätsommertag standen: 
a) Wandern im Stenshuvud-Nationalpark
b) eine Radltour nach Kivik (einfach 15 km)

Luzia war ob der drohenden Wanderung ganz plötzlich hochmotiviert, aufs Fahrrad zu steigen. Der Rest stimmte zu, und so strampelten wir die Südküste Richtung Norden. Kivik ist eines der hübschen Fischerdörfer in Österlen und darüber hinaus eine Art Apfelhauptstadt und ich hatte etliche Empfehlungen für einen Besuch dort gelesen. 
Der Fahrradweg führte größtenteils entlang der Straße, die man auch mit dem Auto nach Kivik fahren würde. Ein Stück sogar durchs Landesinnere, da der sich bis zur Küste erstreckende Nationalpark Stenshuvud umfahren werden musste.
Vor Svinaberga

Erst ein Stückchen vor Svinaberga (einem winzigen, mir bereit bekannten Ort, da dort auf einem sehr schönen Hof damals die Hochzeit meines Freundes gefeiert wurde) bog der Radlweg auf kleinere Wege, Wald und Nebenstraßen ab. 
So ein bisserl schaut's aus, als hätte man hier die Mauer gebaut und zum Schluss festgestellt, dass man ja auch irgendwo hinein möchte...

Wir erreichten Kivik ohne ernsthafteres Gequengel, obwohl die Kinder noch bei uns waren! Luzi hatte sich einige Steigungen sehr tapfer hochgestrampelt und war zu Recht ein bisschen stolz auf sich. Ferdi auf seinem (eigentlich erst Geburtstags-) Mountainbike rockte Asphalt wie Offroadtracks wie ein Alter. Ein wunderbarer Anblick!

In Kivik landeten wir gleich am Hafen, entdeckten einen netten Spielplatz und einen Picknicktisch gleich daneben. Nach der Brotzeit wurden Spielplatz und Hafenmauer, eine Entenfamilie sowie die Klettertauglichkeit der zum Meer hin aufgehäuften Felsen untersucht.
Hafen von Kivik

Auf der von der Sonne gewärmten Mauer ließ sich ein angenehmes Mittagsnickerchen bei Meeresrauschen halten, es war alles perfekt.
Kleine Meerjungfrau 

Bis ich dazu aufrief, nun doch mal das malerische Fischerdörfchen, die schnuckeligen Gässchen, die bezaubernde Altstadt zu erkunden. Jo, kann man machen. Wenn man sie denn findet. Es klingt vermutlich etwas seltsam, aber es war nicht möglich, eine Art Ortszentrum zu finden. Ich schleppte meine sich mehr und mehr sträubende Familie kreuz und quer und wie sich später herausstellte viel zu weit vom Hafen entfernt durch die Straßen. Die Gässchen, Häuschen und Gärtchen begannen direkt am Hafen! Zugegebenermaßen in der Tat sehr malerisch.







Einen weiteren zentralen Tagesordnungspunkt stellte die obligatorische Eispause dar. Die Wahl fiel auf einen mitten auf der Wiese stehenden quietschroten Eiswagen, natürlich am Hafen, wo sich hier anscheinend alles von Interesse abspielt.
Kiviks Glass

Inhaber, Eiscreateur und Verkäufer in Personalunion ist hier ein älterer Mann, der nach ein paar englischen Sätzen sein Schuldeutsch auspackte, das er angeblich 50 Jahre zuvor gelernt hat. Ich möchte mich 50 Jahre nach der Schule bitte auch an so Vieles erinnern! Er erzählte, dass er die Schokolade aus Lübeck bezieht, die Erdbeersorte im „Jordgubb-Glass“ „Rumba“ heißt, und wir erfuhren auch, dass Sahne und Milch von lokalen Höfen um Kivik herum stammen. Es schmeckte auch noch hervorragend, selbst das „Salzkaramell-mit-Lakritz“ Eis, an das nur ich mich herantraute. „Cheesecake“ dagegen überzeugte alle.

Der Heimweg verlief ebenfalls problemlos, Luzi und ich bildeten die „Mädelstruppe“, ließen meist die Jungs vorausdüsen und fuhren Luzis Tempo.


Dramatische Landschaft. Es blieb aber trocken.

Das funktionierte prima, bis sie sich bei einer Pause von Ferdi dazu hinreißen ließ, mit mir voraus und den Männern auf und davon zu fahren. Dieses „mir tun die Beine weh“, „ich schaff das nicht“, „das ist mir zu anstrenged“ - Kind trat in die Pedale wie ein Tour de France Fahrer und wir hielten ein paar Kilometer einen ordentlichen Vorsprung. Markus zeigte sich mächtig beeindruckt und Luzia glühte vor Stolz.
Durch diese wilde Hatz kamen wir gut voran und schon tauchten Meer und „unser“ Strand vor uns auf.
Fast daheim



Für ein kurzes Untertauchen im Meer reichte es bei mir heute noch, für eine ausgiebigere Schwimmrunde war es dann doch schon zu kühl...vor allem bei all den frostigen Blicken, die wir von der – so hatten wir sie getauft - „Kabe-Truppe“ zugeworfen bekamen.

Es war nämlich so: gestern gab es rund um unseren Stellplatz viel freie Fläche, so dass es sich anbot, unser Auto nicht auf unseren Platz dazuzuquetschen, sondern es auf einen freien Platz zu stellen. Als dieser noch gestern bezogen wurde, signalisierte der neue Nachbar, dass das schon so passe und wir stehen bleiben sollten.

Nun kamen wir nach unserer Radltour zurück und Markus wurde sogleich von einem Rentner, der sich mit Frau und Kabe-Caravan (eine schwedische Marke besserer Qualität) uns gegenüber eingerichtet hatte. Ein weiterer Kabe-Caravan stand daneben und diesem nahmen wir den Stellplatz weg. Die zwei gehörten zusammen – die Kabe-Truppe.

Die Kabe-Truppe

Spießer-Camper wie sie im Buche stehen, Gott sei Dank keine Deutschen, sondern Schweden. 
Wann immer Markus an ihnen vorbeiging, warf die von ihm so getaufte „Quadratschachtel“ ihm eisige Todesblicke zu. Unsere Beziehung entwickelte sich dann aber doch relativ flott auf „God Morgon“ (Guten Morgen) bzw. „Hej“ (Hallo) Niveau.

Auch die Familie bzw. das Familienoberhaupt der Camper hinter uns war für Unterhaltung gut. Um an den Frischwasserhahn zu kommen, konnten wir von unserem Platz direkt durch eine kleine Hecke an den Hahn gelangen. Der offizielle Weg führte um „unsere“ Hecke und von der Straße aus zum Wasser.
Besagter Nachbar latschte hingegen seelenruhig bei uns durch, also praktisch über unsere Terrasse und unseren Vorgarten. Selbst Markus, der ja nun auch nicht gerade ein Musterknabe ist was die Einhaltung von (un)geschriebenen Regeln angeht, zeigte sich irritiert. Nach einer Weile steckte er mir, dass er die Parkposition unserer Fahrräder Stück für Stück dahingehend verändert hat, dass die Durchquerung sich für den lieben Nachbarn mühsamer gestaltete. Mal sehen, wie viel es brauchte, um ihn umzulenken. Wir spannen die Idee weiter und sahen uns bereits mit einem Kaltgetränk und Bewertungstäfelchen vor dem Wohnwagen sitzen und  Haltungsnoten für den Herrn Nachbarn bei der Bewältigung des Parcours zu vergeben.
Es kam leider nicht dazu. Er ging sehr schnell nur mehr außen herum.


Ein abendlicher Spaziergang der ganzen Familie am Strand bis Simrishamn beschloss diesen schönen Tag.

Untersuchung einer am Strand angespülten Qualle



Thursday, August 22, 2019

Tag 6: 15. August 2019: Ein bewölkter Tag, Rettung aus dem Klo und strammer Strandmarsch

Tag 6: 15. August 2019


Ein bewölkter Tag, Rettung aus dem Klo und strammer Strandmarsch


Heute trat das ein, wovor ich ein wenig Bammel hatte: ein eher kühler, bewölkt-regnerischer Tag im  „kalten dunklen Norden“. So formulierte Markus vor unserem allerersten Skandinavienurlaub vor mittlerweile 13 Jahren seine Befürchtungen.
Ich wappnete mich daher angesichts des trüb aussehenden Tages mit guter Laune und Optimismus und sah mich zu meiner großen Überraschung einem entspannt-fröhlichen Markus gegenüber, der den „Gammeltag“ durchaus auch zu genießen schien.

Bis wir überhaupt endgültig aus den Federn krochen war schon später Vormittag. Die größte Unternehmung schien der Ausflug nach Simrishamn in den dortigen ICA zu sein, in dem wir in aller Seelenruhe Regal für Regal inspizierten und für die geplante selbstbelegte Pizza die Zutaten zusammenklaubten.

"Godis" Himmel

Eine Besonderheit schwedischer Supermärkte sind die Wände mit Süßigkeiten (Godis), die man sich selber zusammen stellen kann. Luzi und Ferdi zeigten sich durchaus beeindruckt, allerdings auch etwas skeptisch angesichts meiner Information, dass sich hier zahlreiche Lakritz Spezialitäten verbergen, und Lakritz ist nun etwas, das beide bisher verabscheuen.

Am Nachmittag zog es Ferdi und mich doch noch zu einem Strandspaziergang.

Blick nach Norden Richtung "Vårhallen"

Wir wollten uns zunächst nur ein wenig die Seeluft um die Nase wehen lassen und ein paar Kaninchen aufstöbern. Dass ein richtiger Marsch bis ans nördliche Strandende daraus wurde, davon war nicht die Rede, das ergab sich so nach und nach. Die Schuhe wurden an der Bank vom Vorabend abgelegt und mein kleiner Mann und ich stapften los. Am Strandende konnten wir schon die felsige Landspitze namens Vårhallen ausmachen und je näher diese kam, desto mehr wollten wir bis dort hin kommen.


Wir hüpften in der Brandung herum, scheuchten auf dem Hin- und dann auch auf dem Rückweg eine ganze Schar Enten ins Wasser, suchten Meerglas, das hier vorwiegend in strahlendem Weiß an Land gespült wird und trotzten Wind und leichtem Regen. Das Marschieren an diesem Strand war deutlich anstrengender als bei der Mittagspause gestern, da er bis zum Wasser deutlich abfällt und der Sand auch direkt am Wasser nachgiebig bleibt, so dass man wie in knöchelhohem nassen Schnee bei jedem Schritt einsinkt und dabei noch seitlich abrutscht.
Tatsächlich erreichten wir die Felsen, und wo kurz vorher eine leichte Müdigkeit bei Ferdi zu spüren war, verschwand diese angesichts der verlockenden Klettermöglichkeiten.

Klettern auf "Vårhallen"

Auf mit Flechten bewachsene Steinbrocken ging es,

Flechtenschönheiten

über kleine Felsspalten hinweg, an durch die Gischt gebildeten Tümpeln vorbei bis wir auf die andere Seite und zum nächsten Strand blicken konnten.



Vårhallen mit Simrishamn im Hintergrund

Auch den Rückweg meisterten wir problemlos, die Pizza praktisch schon vor Augen. Und die schmeckte nach dieser Aktion so richtig, richtig fantastisch!

Musterflechte? Flechtmuster? Wer kann's entziffern?

Eine kleine Anekdote gibt es noch von heute: Als ich untertags mal wieder ins „Servicehaus“ sprich Toilette/Dusche/Küchengebäude ging und die Türe zu den Toiletten öffnete, kam mir eine Frau entgegen. Ich wollte sie durchlassen, doch sie zögerte und fragte mich schließlich, ob ich wüsste, wie die Tür von innen zu öffnen sei. Jetzt erst fiel mir auf, dass sie ihr Mobiltelefon in der Hand hatte und sie gestand dann auch leicht verzweifelt, dass sie schon eine Weile lang versucht habe, hier wieder raus zu kommen und gerade ihren Mann zu ihrer Rettung rufen wollte.
Tatsächlich war hier zusätzlich zur normalen Türklinke noch ein Drehriegel, der zu allem Überfluss nicht im Uhrzeigersinn zu bedienen war sondern genau entgegengesetzt. Und er ging etwas streng.

Wir stimmten darin überein, dass Camper im Grunde eine Ausbildung zum Ausbruchsexperten absolvieren und uns Exit Rooms danach nur mehr ein müdes Lächeln entlocken.

Morgen ist übrigens wieder Sonne angesagt!

Tag 16: 25. August 2019: Doch noch Göteborg

Tag 16: 25. August 2019 Doch noch Göteborg Die letzten Tage an der Westküste waren unglaublich schön und wir hätten natürlich noch bl...