Wednesday, September 4, 2019

Tag 11: 20. August 2019: Schee is´ am See

Tag 11: 20. August 2019

Schee is´ am See


Mit all den schönen gestrigen Erlebnissen im Gepäck reisten wir heute ein ganzes Stück in den Süden zurück. Es war dort einfach das Wetter für die nächsten Tage besser angesagt als z.B. in Richtung der großen Seen Vänern und Vättern und der urspüngliche Plan war ja sowieso gewesen, nicht weiter nach Norden zu fahren als bis Vimmerby.

Wir hatten kein Ziel, fuhren erst einmal "quer" nach Westen während ich recherchierte. 

Irgendwo in Südschweden auf dem Weg zum See

Der erste Versuch, einen Platz an einem See zu finden, scheiterte. Der Platz sagte uns nicht zu, ohne dass es einen offensichtlichen Grund gab. Passte nicht. Also weiter zur zweiten Alternative, die ich bisher ausfindig gemacht hatte. Ein paar Kilometer von Småland nach Skåne hinein und wir erreichten den Ort Vittsjö am See Vittsjön. Der Campingplatzbetreiber hatte den richtigen Humor und ich war mir schon vor Besichtigung des Stellplatzes sicher, dass wir hier richtig waren.
Er bot uns die Auswahl zwischen einem normalen Platz und einem am See an. Ich fragte, wie nah am See dieser Platz denn wäre, woraufhin er grinsend meinte: Da steht ihr praktisch IM See.

Gerade noch auf dem Trockenen: Blick aus unserem Bett auf den Vittsjön

Hübsche Aussichten

Unsere Kinder verschwanden praktisch sofort im Schilf am Seeufer und besiedelten dort jeder einen großen Felsen, der in den Tagen hier nach und nach richtig wohnlich eingerichtet wurde. 
Die Freude über dieses schöne Fleckchen, das wir da gefunden hatten, machte mich übermütig, ich schnappte mir meine Laufsachen und wollte ein Stückchen am See entlangtraben. Nach Ewigkeiten das erste Mal wieder war ich unterwegs, dazu noch in meinen neuen Barfußlaufschuhen, die auf ein paar kürzeren Strecken eingelaufen werden sollen.
Es kam sehr schnell ganz anders, nach ca. 2 km in östlicher Richtung war mir klar, dass ich so schnell nicht umkehre, sondern den See umrunden möchte (ca. 9 km). Eine unbekannte Strecke in schöner Landschaft macht mich einfach neugierig auf das, was hinter der nächsten Kurve, hinter dem nächsten Haus kommt.

Der Vittsön und Umgebung

Eine ganze Weile lang führte die ausgeschilderte Strecke abseits vom See, entlang einer sich bergan und wieder bergab windenden kleinen Landstraße. Erst noch durch den Ort, entlang an hübschen Häusern mit liebevoll bemalten Briefkästen an der Straße (so etwas nimmt man wahr, wenn man so langsam läuft wie ich). Später durch Felder und an ein paar klassisch roten Höfen vorbei.

Da geht´s lang um den See
Die Strecke bog schließlich nach Süden ab, führte weiter an Wiesen und Häuschen vorbei, je näher der See kam, desto größer wurden die Grundstücke nebst der darauf stehenden Villen und desto zahlreicher die Rasenmäherroboter, die ihre Kreise zogen.
Ich kam an einer hübschen alten Mühle mit rauschendem Mühlbach vorbei und landete kurz darauf an einem kleinen Parkplatz, von dem aus ein Wanderweg in das Naturschutzgebiet Ubbalt führte. 
Wunder- wunderschön war es, dort hindurch zu laufen. Buchenwald mit teils über 100-jährigen Exemplaren, weicher, federnder Waldboden. Der Duft nach Erde, Moos, Pilzen, regenfeuchtem Boden (ach ja, übrigens hatte sich inzwischen ein Gewitter genähert, aber mehr als etwas Grollen und ein paar Tropfen bekam ich nicht ab).

Ubbalt Naturschutzgebiet
Das Gelände erwies sich als überraschend hügelig, mal schimmerte der See ganz nah, dann wieder lag er, durch das enthaltene Eisenerz rot leuchtend, tief unten. Wann immer die Sonne es durch die Wolken schaffte, fächerte sich ihr Licht zwischen den Bäumen auf und veränderte so laufend die Stimmung im Wald von dunkel-geheimnisvoll bis zu strahlend hellgrün.

Ubbalt Naturschutzgebiet mit schimmerndem Vittsjön
Erwähnenswert sind noch die hier wunderbar gedeihenden Flechten, die in verschiedensten Farben und Formen Steine und Stämme besiedeln. Zahlreiche Arten sind hier heimisch, unter anderem eine ganz seltene, die Lungenflechte. 

Auch wenn ich allmählich müde wurde, diesen Wald zu verlassen fiel mir schwer. Zumal die letzten Kilometer dann durch das Ortszentrum und fast ununterbrochen entlang größerer Straßen führte.
Meine Füße meldeten sich zuletzt lautstark, sie verübelten mir den letzten Teil der Strecke, den ich dann auch eher gemütlich ging denn lief. Ein paar Blasen trug ich von dieser Aktion davon, die waren es mir aber absolut wert!


1. Belohnung für 9 km
2. Belohnung

Ich denke, dass jeder, der hier mit liest, das nächste Mal bei Ikea vor der "Vittsjö" oder "Ubbalt" Serie nicht nur TV-Bänke oder Schränke sieht, sondern auch einen Schimmer von See und Wald wahrnehmen kann.

Während ich lief

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